Sie haben eine Vorladung von der Polizei erhalten?

Sie werden als Beschuldigter in einem Strafverfahren geführt?

Wird ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet, und dem Beschuldigten eine Vorladung von der Polizei zugestellt, bricht für den Betroffenen oft eine Welt zusammen. Viele Fragen und Sorgen beschäftigen ihn. Nicht zuletzt droht mit dem Tatvorwurf auch die Verhängung erheblicher Strafen.

In dieser Situation ist es daher wichtig, nicht übereifrig und vorschnell zu reagieren. Gerade ins dieser frühen Phase des Strafverfahrens werden die wichtigsten Weichen für den Ausgang des Verfahrens gestellt. Es gilt daher hier umso mehr: Schweigen ist Gold! Nicht umsonst lautet ein Sprichwort unter Strafverteidigern:

„Das Strafverfahren wird im Ermittlungsverfahren gewonnen.“

Vorladung Polizei

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Vorladung als Beschuldigter

Wenn Sie eine Vorladung als Beschuldigter erhalten haben, bedeutet das, dass gegen Sie ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist.

Die Strafanzeige kann dabei entweder direkt von der Polizei erstattet worden sein – etwa dann, wenn die Polizeibeamten im Rahmen einer Hausdurchsuchung oder bei anderen Ermittlungstätigkeiten von einer möglichen Straftat Wind bekommen haben. Ebenso kann die Strafanzeige auch von einem Anzeigenerstatter, etwa einem vermeintlichen Opfer, kommen.

Die Vorladung bedeutet lediglich, dass gegen Sie ein Anfangsverdacht einer Straftat besteht. Das Ermittlungsverfahren steht damit noch ganz am Anfang. Ein Tatnachweis, eine Anklage oder gar eine Verurteilung ist damit nicht verbunden. Vielmehr haben Sie durch diese frühe Kenntnis von dem laufenden Ermittlungsverfahren die Möglichkeit, frühzeitig zu intervenieren und die Weichen für den späteren Verfahrensgang zu stellen.

Das Wesen der (persönlichen) Vorladung besteht darin, dass die Polizei versucht, an eine persönliche Aussage zu gelangen.

Schriftliche Äußerung im Strafverfahren

Wie auch die Vorladung zielt die Schriftliche Äußerung im Strafverfahren darauf ab, an eine Aussage von Ihnen zu gelangen.

Im Unterschied zur (regulären) Vorladung soll kein persönliches Gespräch mit einem Polizeibeamten stattfinden. Vielmehr formuliert die Polizei einige Fragen und „bittet“ um deren Beantwortung.

Zwar hat diese Form der Beschuldigten“Vernehmung“ den Vorteil, dass man die Antworten nicht sofort abgeben muss, sondern verschriftlichen kann. Allerdings sollten auch hier keine Angaben gegenüber der Polizei gemacht werden. Es gelten insoweit auch hier die Verhaltenstipps weiter unten.

So verhalten Sie sich richtig!

  Kann ich die Vorladung der Polizei absagen?

Sie sind nicht verpflichtet, eine Aussage bei der Polizei zu machen. Sie sind nicht einmal verpflichtet, bei der Polizei zu erscheinen. Den Termin zur Vorladung können Sie daher getrost absagen oder ignorieren. Dies hat mehrere Gründe:

Zum einen kennen Sie den Akteninhalt und den derzeitigen Stand der Ermittlungen nicht. Dies bedeutet, dass Sie Angaben „ins Blaue hinein“ machen müssten. Es versteht sich von selbst, dass dieses Vorgehen höchst riskant ist und nur nach hinten losgehen kann.

Darüber hinaus werden Ihre Aussage nicht wortwörtlich aufgenommen. Vielmehr fertigen die Polizeibeamten Gedächtnisprotokolle. Ihre Aussagen werden dabei mit den eigenen Worten der Beamten aufgeschrieben. Sie müssen das Protokoll der Vernehmung zwar unterschreiben. Gerade wenn die Protokolle mehrere Seiten einnehmen, werden die einzelnen Seite routinemäßig unterschrieben, ohne sich die Aussagen noch einmal Wort für Wort durchlesen und auf Korrektheit zu überprüfen. Und nicht zuletzt fallen etwaige Widersprüche oder missverständliche Äußerungen gar nicht auf. Diese verschriftlichten Aussagen können im weiteren Verfahren jedoch nur sehr schwer wieder bereinigt werden.

Schließlich sind die Polizeibeamten natürlich in der besonderen Vernehmungstechnik geschult, und sind bestrebt, Ihnen einen Straftat nachweisen zu können. Mit diesem erklärten Ziel wird die Vernehmung geführt werden. In diesem Verfahren ist die Polizei nicht Ihr Freund!

Das Schweigen kann Ihnen auch nicht negativ angelastet oder gar als Schuldeingeständnis ausgelegt werden.

Machen Sie gegenüber der Polizei keine Angaben zur Sache!

  Bewahren Sie Ruhe!

Grundsätzlich ist wichtig, dass Sie die Ruhe bewahren und keine voreiligen und unüberlegten Handlungen vornehmen.

Bei vielen Beschuldigten ist der Drang groß, Angaben bei der Polizei zu machen, um „alles richtig zu stellen“. Diesem Drang müssen Sie widerstehen!

Dennoch sollten Sie die Zeit nutzen, und die gewonnenen Informationen aus der Vorladung aufzunehmen und sich auf das kommende Strafverfahren bestmöglich vorzubereiten:

1. Oftmals ergibt sich schon aus der Vorladung, welches Delikt Ihnen vorgeworfen wird. Versuchen Sie, sich an die vorgeworfenen Geschehnisse zu erinnern – ggf. können Sie auch entlastende Beweise (Verträge, Schriftstücke, Zeugen, Handy/Whatsapp-Nachrichten) sammeln oder auftreiben.

2. Speichern und kopieren Sie ggf. Beweismitteln.

3. Oftmals liegen die Vorwürfe Jahre zurück: Machen Sie sich Notizen und Gedächtnisprotokolle.

4. Sie sollten allerdings vermeiden, den Anzeigenerstatter, sofern dieser bekannt sein sollte, zu kontaktieren! Dies kann unter Umständen schwerwiegende Konsequenzen (z.B. einen Haftbefehl (Untersuchungshaft)) haben.

Vorladung Polizei Anwalt

  Muss ich einer Vorladung der Staatsanwaltschaft nachkommen?

Im Gegensatz zu einer Vorladung von der Polizei müssen Sie zu einer Vorladung durch die Staatsanwaltschaft grundsätzlich erscheinen. Notfalls kann die Staatsanwaltschaft Ihr Erscheinen erzwingen.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass Sie aussagen müssen. Als Beschuldigter steht Ihnen ein umfangreiches Schweigerecht zu. Dies gilt selbstverständlich auch gegenüber der Staatsanwaltschaft. Auch hier kann Ihr Schweigen nicht negativ ausgelegt werden.

Einer Vorladung der Staatsanwaltschaft sollten Sie daher Folge leisten, aber auch hier keine weiteren Angaben zur Sache machen.

  Beauftragen Sie einen Strafverteidiger!

Behalten Sie stets im Hinterkopf: Der Staat versucht, Ihnen eine Straftat nachzuweisen. Es drohen daher unter Umständen erhebliche Strafen.

Vor diesem Hintergrund sollten die weiteren Schritte wohlüberlegt sein. Die juristischen und prozessualen Voraussetzungen sind äußerst komplex. Nicht zuletzt hat auch nur ein Rechtsanwalt die Möglichkeit, umfangreiche Akteneinsicht in die Ermittlungsakte zu fordern.

Ein laufendes Strafverfahren sollte daher nicht „auf die leichte Schulter“ genommen werden. Beauftragen Sie einen Strafverteidiger!