Anwalt für Strafrecht Strafverteidiger Delitzsch

Zeugen, die man sich wünscht

In einer verkehrsrechtlichen Angelegenheit hatte ich für einen Kollegen eine Terminvertretung vor dem Amtsgericht Bitterfeld wahrgenommen. Wir vertraten die beklagte Partei.

Der erste Termin zur Güteverhandlung verlief wenig erfolgversprechend. Der Richter erteilte gleich mehrere Hinweise, wieso die Ausführungen des Beklagten – also unserer Partei – wenig überzeugend wären, und wieso die Klage deshalb höchstwahrscheinlich Erfolg haben würde. Da die Aussagen der beteiligten Parteien im Zivilprozess aber keinen besonders hohen Beweiswert haben, wurde zum zweiten Termin die unfallaufnehmende Polizeibeamtin geladen.

Nun muss man in der Regel davon ausgehen, dass Polizeibeamte vor der Verhandlung noch einmal in Ihre Unterlagen schauen, und den Vorfall so detailliert und selbstbewusst schildern, als wäre der Unfall erst gestern gewesen, obwohl inzwischen bereits über ein Jahr vergangen ist. Es ist also so, dass Polizeibeamte in der Regel genau das wiedergeben, wofür sie als Zeuge benannt werden. Dazu kommt, dass Polizeibeamte bei Gericht eine besonders hohe Glaubwürdigkeit genießen.

Die in unserem Verfahren geladene Polizeibeamtin war dagegen sehr erfrischend und ehrlich. Sie gab an, dass sie den Unfallbericht nicht geschrieben hat, und sich an den Unfall und die Beteiligten auch gar nicht mehr erinnern kann. Wer überhaupt vor Ort war, und wie die Beteiligten den Unfall geschildert haben sollen, konnte sie alles nicht sagen. Mit dieser überaschenden Zeugenaussage hatte der Kläger sicher nicht gerechnet. Das bewog dann auch das Gericht dazu, den Kläger darauf hinzuweisen, dass sein behaupteter Unfallhergang derzeit nicht bewiesen ist – Wir werden also sehen, ob der Kläger noch einen weiteren Zeugen „aus dem Hut zaubern kann“…

Teile deine Gedanken