Versuchte gefährliche Körperverletzung durch Zünden von „Bengalos“

Mit Urteil vom 11.03.2015 hat das Amtsgericht Hannover entschieden, dass das Zünden von „Bengalos“ im Stadion eine versuchte gefährliche Körperverletzung (§ 224 StGB) darstellen kann.

Sachverhalt

Der Angeklagte hatte gestanden, in einem vollbesetzten Fanblock beim Spiel Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig in der HDI-Arena zwei Bengalo-Fackeln angezündet, und – in jeder Hand eine Fackel haltend – abgebrannt zu haben. Das Gericht ging davon aus, dass der Angeklagte hierdurch zumindest in Kauf nahm, dass umstehende Zuschauer nicht nur unerheblich verletzt werden.

„Gefährliche Körperverletzung“ oder „fahrlässige Körperverletzung“?

Auch nach diesem Urteil ist die strafrechtliche Einordnung des Abbrennens von Bengalos weiterhin vom jeweiligen Einzelfall abhängig. In Betracht kommt sowohl die Einordnung als „gefährliche Körperverletzung“ (§ 224 StGB) oder als (bloße) „fahrlässige Körperverletzung (§ 229 StGB). Die Unterscheidung ist deshalb von besonderer Bedeutung, da die fahrlässige Körperverletzung weitaus milder bestraft wird als die gefährliche Körperverletzung, für die eine Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten angedroht wird.

Die Unterscheidung ist auch in den – häufig vorkommenden – Fällen entscheidend, in denen keine Personen verletzt werden, und die Strafbarkeit wegen eines versuchten Delikts im Raum steht. Während es eine „versuchte fahrlässige Körperverletzung“ nicht gibt, und somit straflos ist, ist die versuchte gefährliche Körperverletzung weiterhin strafbar.

Vorsatz oder Fahrlässigkeit?

Entscheiden ist daher, ob der Täter die Verletzung umstehender Personen in Kauf genommen hat (bedingter Vorsatz, sog. dolus eventualis) oder ob dem Täter lediglich Fahrlässigkeit angelastet werden kann.
Meines Erachtens kann durch das bloße Abbrennen eines Bengalos noch nicht per se von einer Vorsatztat ausgegangen werden. Vielmehr müssen in aller Regel noch weitere Umstände hinzutreten, aus denen darauf geschlossen werden kann, dass sich der Täter mit der Verletzung umstehender Personen abgefunden hat. Solche Umstände können z.B. die Anzahl und die Nähe der umstehenden Personen oder das weitere Verhalten beim Abbrennen sein. Natürlich ist auch die Größe der Bengalo-Fackel mit einzubeziehen.

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