Freispruch im Betrugsverfahren

22.11.2013|

Aussage gegen Aussage.

Im Grunde eine strafprozessuale Situation, die optimistisch stimmt. Denn wenn der Staatsanwaltschaft als Ermittlungsbehörde keine weiteren Beweismittel zur Verfügung stehen, rückt ein Freispruch in greifbare Nähe. Dennoch kommt es hier maßgeblich auf die Glaubwürdigkeit des vorhandenen Zeugen an.

Meinem Mandanten wurde hier vorgeworfen, einen Betrug begangen zu haben. Er soll – zusammengefasst – gezielt eine Frau auf einem Online-Dating-Portal kontaktiert haben, um diese mit allerlei Tricks um beträchtliche Geldbeträge zu erleichtern.
Dabei gab die mutmaßliche Geschädigte u.a. an, mein Mandant hätte mit ihrer EC-Karte Geld am Geldautomaten abgehoben, ihr es jedoch im Anschluss nicht zurückgegeben. Das Abheben des Geldes wies die Geschädigte natürlich mit dem entsprechenden Kontoauszügen nach – Freilich kann damit aber nicht nachgewiesen werden, wer tatsächlich das Geld abgehoben hat. Obwohl sich schon hieraus erhebliche Zweifel an dem Nachweis der Täterschaft ergeben, erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. und beschuldigte meinen Mandanten – aufgrund der Vielzahl der Geldabhebungen – eines gewerblichen Betrugs. Ein Delikt, das mit einer Mindestfreiheitsstrafe von 6 Monaten bestraft wird.

In der Hauptverhandlung konnte der Tatvorwurf allerdings nicht nachgewiesen werden. Die geladene Zeugin und mutmaßlich Geschädigte verstrickte sich zunehmend in Widersprüche und Ungereimtheiten. Darüber hinaus steht die Zeugin aufgrund akuter psychischen Probleme inzwischen unter rechtlicher Betreuung, und machte insgesamt einen wirren Eindruck.

Aufgrund fehlender weiterer Beweismittel konnte der Tatnachweis nicht geführt werden. Mein Mandant wurde folgerichtig freigesprochen.