Anwalt schwerer Diebstahl Leipzig

Bis zur letzten Minute

Mein Mandant war angeklagt, bei Ebay ca. 10 Personen betrogen zu haben. Die Tathandlung war – nach Ansicht der Staatsanwaltschaft – denkbar einfach: Er soll  Spielkonsolen verkauft, diese nach Geldeingang aber nicht verschickt haben. Ein klassischer Betrug also. Tatsächlich war mein Mandant aber gar nicht der Täter. Vielmehr war er selbst das Opfer einer Betrugsstraftat geworden.
Auf einem bekannten Chat-Portal wurde mein Mandant von einer jungen Frau angeschrieben. Bereits nach kurzer Zeit klagte diese, sie sitze im Ausland fest, und benötige dringend Geld für ein Flugticket nach Deutschland. Glücklicherweise hätte sie bei Freunden noch offene Forderungen, die ihr das Geld überweisen würden – sie bräuchte daher nur eine funktionierende Kontoverbindung und eine vertrauensvolle Person, die das Geld an sie überweist. Mein noch jugendlicher Mandant erkannte diesen Betrug nicht, und händigte – im Glauben daran, etwas Gutes zu tun – seine Kontodaten aus.
Tatsächlich gingen in den nächsten Tagen gehörige Summen auf dem Konto meines Mandanten ein, die dieser pflichtbewusst per Western Union an seine Chat-Partnerin weiterversandte. Die geprellten Ebay-Käufer erstatteten natürlich Anzeige. Und über die Kontoinhaberschaft führte der Verdacht schnell auf meinen Mandanten.

Die Aussichten im Strafverfahren waren denkbar schlecht: Die Ebay-Angebote waren (natürlich) auf den Namen meines Mandanten erstellt. Mein Mandant war Kontoinhaber, und hat die Geldbeträge empfangen und weitergeleitet. Es sah also nicht gut aus. Bis, ja bis kurz vor dem Hauptverhandlungstermin vor dem Amtsgericht Leipzig von meinem Mandanten die Chatprotokolle beschafft und dem Gericht vorgelegt werden konnten. Mit diesen konnte nachgewiesen werden, dass mein Mandant selbst von den Betrügereien nichts wusste. Nach dem Verlesen des Chat-Verlaufs, der Anhörung meines Mandanten und einem kurzen Rechtsgespräch mit der Staatsanwaltschaft und dem Gericht herrschte dann auch recht schnell die einstimmige Meinung vor, dass der Tatnachweis nicht zu führen ist. Mein Mandant wurde folgerichtig freigesprochen.
Im Ergebnis ist alles noch einmal gutgegangen – Es hätte aber auch ganz anders laufen können…