Anwälte müssen Robe tragen

01.07.2015|
  • Untersuchungshaft U-Haft Anwalt

„Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, dass die Advocati wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man die Spitzbuben schon von weitem erkennt.“

(Anweisung von König Friedrich Wilhelm I. im Jahr 1726)

Weil ein Anwalt aus München in einem Zivilprozess vor dem Amtsgericht Augsburg ohne Robe erschien, ließ der Richter die Verhandlung platzen, und schickte die Beteiligten nach Hause.

Das ließ sich der Münchener Kollege nicht gefallen, und verlangte vom Freistaat Bayern den Ersatz der Fahrtkosten sowie einen Verdienstausfall. Das Landgericht Augsburg hat die Klage nun abgewiesen.

Das Gericht argumentierte, es entspreche dem Gewohnheitsrecht, dass Anwälte vor Gericht eine Robe tragen. Durch die Amtstracht werden Richter und Rechtsanwälte als unabhängiges Organ der Rechtspflege kenntlich gemacht. Das soll dem Interesse der Allgemeinheit dienen, dass Gerichtsverfahren in angemessener Form ablaufen.

Etwas anderes steht allerdings in der „Berufsordnung für Rechtsanwälte“ (BORA). Dort heißt es in § 20 BORA:

Der Rechtsanwalt trägt vor Gericht als Berufstracht die Robe, soweit das üblich ist. Eine Berufspflicht zum Erscheinen in Robe besteht beim Amtsgericht in Zivilsachen nicht.

Es bleibt also abzuwarten, ob das Urteil auch in der nächsten Instanz Bestand haben wird.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig – Der klagende Anwalt kündigte Berufung an.

Quelle: Spiegel Online – 30.06.2015

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